Diese Unterlage kommt vor dem Gestaltungsentwurf, weil sie ihn begrenzt. Ein Layout, das Fotografie voraussetzt, die niemand liefern kann, ist kein Entwurf, sondern ein Wunsch.
| Eigenes Material | Es gibt keines, auf das das Projekt zugreifen darf. |
| Das Buch | Professionelle Fotografie, aber aller Wahrscheinlichkeit nach nur für den Druck lizenziert. Der Verlag hat die Rechte, nicht der Verein. Ungeprüft — und bis zur Klärung unbenutzbar. |
| Kartenbilder | Ausschnitte aus Google Maps oder Street View dürfen auf einer Website nicht nachgenutzt werden. Die Karte muss aus einer anderen Quelle kommen oder gezeichnet werden. |
| Freie Bibliotheken | Verfügbar, kostenlos — aber mit Fallstricken, die unten stehen und die bei einem Verein schwerer wiegen als bei einem Unternehmen. |
Daraus folgt die Grundregel für den ganzen Entwurf:
Die Seite muss ohne ein einziges Foto funktionieren — und mit Fotos besser werden.
Nicht andersherum. Wer zuerst das Layout mit Bildern baut und die Bilder später sucht, baut eine Seite, die ohne sie leer aussieht. Die vier grauen Kästen auf der heutigen Seite sind genau das Ergebnis.
Nach Funktion sortiert, nicht nach Seite. Die Spalte rechts sagt, was passiert, wenn es das Bild nicht gibt — das ist die eigentlich interessante Spalte.
| Stelle | Aufgabe des Bildes | Ohne Bild |
|---|---|---|
| Aufmacher Startseite | Behauptet in einer Sekunde, dass autofrei kein Verzicht ist | Trägt ohne. Die Aussage steckt in der Schrift: „Kein Auto. Volles Leben.“ Große Typografie ist hier stärker als ein beliebiges Stockfoto |
| Kostenrechner | Zeigt Geld | Braucht keines. Die Zahl ist das Bild |
| Sechs Kapitel „So geht’s“ | Unterscheidet sechs Themen auf einen Blick | Braucht Unterscheidung, nicht Fotografie. Sechs gezeichnete Zeichen reichen und altern nicht |
| Ortsgruppen | Zeigt, wo der Verein ist | Gezeichnete Karte. Ohnehin nötig, weil Google ausfällt |
| Nürnberg autofrei | Belegt, dass eine Straße wirklich umgebaut wurde | Hier fehlt es wirklich. Ein Superblock ohne Bild ist eine Behauptung. Stärkste einzelne Bildlücke der Seite |
| Berichte von Mitgliedern | Macht aus einem Zitat einen Menschen | Halbiert die Wirkung. Ein Gesicht schlägt jedes Zitat |
| Das Buch | Zeigt, dass es das Buch gibt | Das Cover genügt — es zu zeigen, um darauf hinzuweisen, ist zulässig |
| Termine, Rundbrief, Presse | — | Brauchen nichts. Bilder wären hier Dekoration |
Kurz: von acht Stellen brauchen zwei wirklich Fotografie — Nürnberg und die Mitgliederberichte. Beide sind beschaffbar, ohne einen Fotografen zu bezahlen.
Der Verein hat Mitglieder, die seit Jahren ohne Auto leben, mit Kindern, beim Umzug, im Urlaub. Ein Aufruf im Rundbrief kostet nichts und liefert genau das Material, das keine Bibliothek hat: echte Menschen, die das tun, wovon die Seite redet.
Dass die Fotos technisch schlechter sind als Stockfotografie, ist kein Nachteil, sondern das Gegenteil. Ein glattes Agenturfoto liest sich als Werbung, ein Handyfoto aus Nürnberg als Beleg. Für einen Verein ist das zweite mehr wert.
Nötig: eine schriftliche Freigabe je Foto — wer darauf zu sehen ist, wem es gehört, dass der Verein es auf der Website zeigen darf. Ein Absatz im Aufruf genügt, aber er muss dastehen.
Aufwand: ein Absatz im nächsten Rundbrief. Das ist der eine Schritt, der jetzt getan werden sollte, weil er Vorlauf braucht und alles andere leichter macht.
Unsplash und Pexels erlauben kostenlose Nutzung ohne Namensnennung; Wikimedia Commons hat gutes Material, verlangt aber fast immer Namensnennung und manchmal, dass Abgeleitetes unter derselben Lizenz steht. Jede Datei ist einzeln zu prüfen — es gibt dort keine einheitliche Lizenz.
Die Einschränkung, die bei einem Verein schwerer wiegt als sonst: Diese Bibliotheken sichern keine Einwilligung der abgebildeten Personen zu. Ein erkennbares Gesicht neben dem Satz „Ich lebe autofrei“ behauptet etwas über diesen Menschen, das er nie gesagt hat. Für einen Verein, dessen Mitgliedschaft eine Selbstverpflichtung ist, ist das keine Kleinigkeit.
Regel daraus: Stockfotos nur dort, wo niemand erkennbar ist oder niemandem eine Haltung zugeschrieben wird — Straßen, Räder, Bahnsteige, Hände, Rückenansichten, Stadt von oben. Gesichter kommen aus a), nicht aus b).
Zweiter Fallstrick, öfter übersehen: In sehr vielen Stadtfotos steht ein Auto. Ein Aufmacherbild mit parkenden Autos ist auf dieser Seite ein Eigentor.
Die Fotografie im Buch ist das beste verfügbare Material und passt inhaltlich genau. Die Rechte liegen beim Verlag, nicht beim Verein, und Printlizenzen schließen die Website regelmäßig nicht ein.
Vorschlag: eine kurze Anfrage an den Verlag mit einer eng umrissenen Bitte — fünf bis zehn benannte Bilder, nur für die Vereinswebsite, mit Nennung von Fotograf und Verlag im Bildnachweis, gern verbunden mit einem sichtbaren Hinweis auf das Buch als Gegenleistung. Eine solche Anfrage kostet einen Nachmittag und kann viel gewinnen. Aber der Entwurf darf nicht darauf bauen — die Antwort kann schlicht nein lauten.
Was ohnehin gebaut werden muss und nebenbei die Bildlücke schließt:
Nachnutzung ausdrücklich erlaubt und nur eine Quellenangabe verlangt — anders als Google.
hält jedem Foto stand.
Fotos nicht. Die Aussage ist frei, die konkrete Zeichnung nicht; der Bildnachweis des Originals gehört trotzdem geprüft.
Das ist kein Notbehelf. Eine Seite, die auf Zeichnung, Zahl und Typografie setzt, sieht eigenständig aus — während eine Seite aus Stockfotos aussieht wie jede andere.
steht in der Schrift, nicht hinter ihr.
sie Dekoration und dürfen fehlen.
Gezeichnetes Zeichen, Farbfläche, großes Zitat — kein grauer Kasten.
Dekoration und erzieht zugleich zur Quellenpflege.
| Wer | Wann | |
|---|---|---|
| Aufruf an die Mitglieder: Fotos vom autofreien Alltag, mit Freigabetext | Vorstand, im nächsten Rundbrief | jetzt — braucht Vorlauf |
| Fotos vom Superblock Gostenhof und der Unterschriftensammlung besorgen | Regionalgruppe Nürnberg | jetzt |
| Anfrage an den Verlag wegen fünf bis zehn Bildern aus dem Buch | Vorstand | die nächsten Wochen |
| Gestaltungsentwurf, gebaut auf Typografie, Zeichnung und Zahl | Entwicklung | sofort möglich, hängt an nichts davon |
Der letzte Punkt ist der Grund, warum diese Unterlage vor dem Entwurf steht: Er hängt an nichts. Die Gestaltung kann beginnen, während die Bilder noch beschafft werden — vorausgesetzt, sie wird so gebaut, dass sie ohne sie steht.